Edinburgh Television Festival 2016

Beim Edinburgh International TV Festival konnte man sich in diesem Jahr von allerlei interessanten Neuigkeiten beeindrucken lassen, Screener anschauen, Workshops mitmachen und auch an sog. Masterclasses teilnehmen.
Für mich war alles bezüglich der 7. Staffel von “The Walking Dead” interessant und ich hatte auch die Gelegenheit, mich mit der Produzentin der Serie Gale Anne Hurd und Michael Cudlitz (Abraham) zu unterhalten.

Hier gibt es ein paar Eindrücke und im nächsten Monat auf berliner-zeitung.de dann näheres zu the Walking Dead…

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Endlich zurück: Orange is the New Black – Season 4

Als vor drei Jahren die Serie „Orange ist he New Black“ auf Netflix startete, war dies in vielerlei Hinsicht ein Glücksfall, wenn nicht gar in mancherlei Hinsicht bahnbrechend. Pünktlich zum Start der 4. Staffel, lohnt es sich, noch einmal einen genaueren Blick auf diese wunderbare Serie zu werfen und denen von Euch, die die Serie noch nicht gesehen haben (soll es ja wirklich geben!), das Nachholen der ersten drei Staffeln und das Eintauchen in die viel versprechende vierte Staffel nahezulegen.

Was ist aber der Grund für den Erfolg der Serie?

Orange is the New Black hat es geschafft, von einer absoluten Außenseiterposition die Erfolgsserie House of Cards von Platz 1 der Netflix-eigenen Serien zu verdrängen. Es hat sich in den letzten drei Jahren eine derartig große Fangemeinde entwickelt, dass selbst die Hauptdarstellerinnen den Erfolg kaum fassen können. In einem Gespräch anlässlich des Starts der 4 Staffel verriet mir Uzo Abuda (Crazy Eyes), dass es ihr und auch ihren Kolleginnen immer noch fast unwirklich erscheint, um die Welt zu reisen, um die Serie zu präsentieren. Doch dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr.

Als erstes muss man natürlich die starke Besetzung der Serie erwähnen. Kaum eine Serie hat es zuvor geschafft, mit so vielen starken Frauenfiguren aufzutrumpfen. Was als Besonderheit noch hinzukommt ist die Tatsache, dass es (ganz untypisch für amerikanische Serien) nicht nur Frauen gibt, die wirken, als wären sie aus Model-Katalogen gecastet worden. Man hat durchweg mit „echten“ Charakteren zu tun. Lea DeLaria (Big Boo) hat mir erzählt, dass es für sie und ihre Kolleginnen sehr angenehm ist, „…knappe 30 Sekunden in der Maske zu sitzen, dann einen Overall überzuziehen und loszulegen“. Dies erlaubt es den Schauspielerinnen auch, viel ihrer eigenen Persönlichkeit mit vor die Kamera zu nehmen.

Ein weiterer interessanter Punkt ist, wie Jenji Kohan, die die Serie schreibt und produziert, das Konzept der Serie über die ersten drei Staffeln stark verändert hat. Wie schon bei Kohans Erfolgsserie Weeds, hat man auch bei Orange is the New Black über die ersten drei Staffeln sehr gekonnt einen Genre-Wechsel vollzogen, der dieser Serie sehr gut getan hat. Anfangs war die Serie, auch aufgrund ihrer Prämisse, sehr stark im Bereich klassischer Comedy angesiedelt: Naives Blondchen kommt in den taffen Frauenknast und versucht, klarzukommen. Hätte man versucht, dies über mehrere Staffeln durchzuziehen, hätte sich die Idee wahrscheinlich sehr schnell totgelaufen. Aber durch das Verändern der Tonalität und auch einzelner Figuren hin zu einer Dramaserie, hat man sich für die jetzt beginnende vierte und die bereits in Auftrag gegebenen drei weiteren Staffeln die kreativen Möglichkeiten offen gehalten.

Im Jahr 2013 war die Idee einer Binge-Serie noch absolut neu. Auch Netflix als Serienproduzent und -vertrieb steckte noch in den Kinderschuhen. Für alle Beteiligten war es absolutes Neuland: Ein Streaming Dienst als Auftraggeber, der alle Episoden einer Staffel auf einmal bereitstellt. Heute weiß man, dass dies wahrscheinlich die Zukunft gescripteter Serien sein wird.

Damals hätte wohl auch niemand gedacht, dass diese Nischenserie aufgrund der Themen, die behandelt werden, und vor allem auch aufgrund der Besetzung in viele Richtung Türen aufstoßen und Diskussionen in der Mainstream-Kultur provozieren würde. Lesbische- und Transgender Themen werden in den Fokus gerückt und haben den gesellschaftlichen Diskurs immer wieder angeregt. Eine Serie wie „Transparent“ konnte für eine breite Masse so populär sein, weil OitnB es geschafft hat, den Weg zu ebnen.

Die Serie versteht es aber auch immer wieder, sich ihrer sozialkritischen Verantwortung klar zu werden, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger dazustehen. So werden Themen zu Minderheiten, Diskriminierung, Waffenbesitz, ungerechter Justiz, Gay-rights, Geisteskrankheit und profitorientiertem Strafvollzug immer wieder aufgegriffen.

Hier wird auch gleich zu Beginn der vierten Staffel angeknüpft, als der Einzug neuer Insassen für gehörige Probleme sorgt. Natürlich versucht Piper, ihre Rolle als Badgirl im Gefängnis zu stärken, und wir treffen auf neue Wachmänner und –frauen. Crazy Eyes bemerkt, dass sie nicht die verrückteste Insassin ist, und über eine kleine Splatter-Einlage darf man sich zu Beginn auch freuen.
Neben den bekannten Figuren kommen nun auch noch einige neue Gesichter hinzu, die im Verlauf der Serie den Cast sehr gelungen erweitern.

Natürlich ist es schon eine Herausforderung, mal eben drei, bzw. vier Staffeln einer Serie zu schauen, um auf dem aktuellen Stand zu sein. Ich persönlich finde so etwas immer eher ein wenig abschreckend. Aber im Fall von OitnB wird man aber wirklich belohnt. OitnB ist einer der Serien, der man wenigstens eine Chance geben sollte. Immer wieder ertappt man sich dabei, zu denken: Was würde ich machen?
Aufgrund der wachsenden Popularität der Serie konnte man sich von Staffel 1, als die Serie noch als großes Experiment angesehen werden konnte, bis hin zur 3. Staffel und 4 Emmys später, mehr und mehr erlauben und trauen. So konnte OitnB das schaffen, was nur wenigen Serien vergönnt ist: von Jahr zu Jahr immer besser zu werden. Hoffen wir, dass es bis zur 7. Staffel (und darüber hinaus) so bleibt.

The Carmichael Show

Ehrlich gesagt, war ich anfangs sehr skeptisch und habe die (mittlerweile nicht mehr ganz so) neue Sitcom “The Carmichael Show” bewusst ignoriert. Das Material, das bei den Upfronts gezeigt wurde und die Trailer waren nicht wirklich überzeugend. Typisch “schwarze/afro-amerikanische” Comedy traf weder im Film- (Madea) noch im Serienformat (Cosby) wirklich meinen Geschmack. Nachdem Jerrod Carmichael aber aufgrund seiner “bahnbrechenden” neuen Sitcom von Talkshow zu Talkshow gereicht wurde, hab ich mir die erste Staffel (6 Episoden) angeschaut und bin mittlerweile zum echten Fan geworden.
Auf den ersten Blick ist diese vor Publikum im Studio gedrehte Serie mal wieder nur eine weitere Sitcom, die nicht wirklich Neues zu bieten hat. Sehr schnell merkt man aber, dass dem nicht so ist. Jede der Episoden hat ein Thema, das Innerhalb der Familie auf (überraschend) lustige Weise behandelt wird. Hierbei geht es um Dinge wie Gentrification, Waffenbesitz und Religion bis hin zu Schwarzkohl und Pornosucht.
Sicherlich ist die Folge zu Präsident Trump nur bedingt für eine deutsches Publikum relevant, aber man hat, egal wie abwegig das Thema auch sein mag, viel Spass mit der Carmichael Familie.
Die Hauptfigur und Show-Creator Jerrod Carmichael trifft mit seiner Serie den Nerv vieler (auch nicht schwarzer) Amerikaner und wenn man dann, so wie ich, ins schwarze YouTube-Loch gefallen ist, aus dem man nach Stunden und unzähligen Stand-Up Videos von Jerrod Carmichael wieder herausgekommen ist, kann man fast nicht anders, als dem Charme seines Humors zu erliegen.
Nicht nach der ersten Episode aufgeben, sondern mindestens 3 oder 4 Folgen durchhalten…
Viele Spass!

Akte X ist zurück!!

Nachdem es viel zu lange gedauert hat, sind Mulder und Scully endlich wieder zusammen zu sehen. In einer Miniserie, die jetzt ab Anfang Februar auch in Deutschland zusehen ist (Pro7), dürfen wir dem alten Team in sechs Episoden bei der Arbeit zuschauen.
Man hat sich entschlossen, “nur” eine Miniserie zu machen, da natürlich bei einer 90er Jahre Ikone nach so vielen Jahren auch etliches schiefgehen kann. Man denke nur an die Kultserie “Arrested Development”, die von Netflix wiederbelebt worden war.
Die sechs Episoden sind so aufgeteilt, dass die erste und letzte Folge zusammenhängen und die vier Folgen in der Mitte selbstständige ‘case of the week’ Episoden sind.
Nach den ersten drei Folgen kann man sagen, dass es wieder richtig Spass macht, den beiden (und natürlich auch noch etlichen alten Gesichtern) zuzuschauen. Auch wenn viele Kritiker die Pilotfolge nicht mochten, ging es doch eigentlich mit einem richtigen Paukenschlag los. die zweite und dritte Folge waren dann wieder im altbekannten Format: irgendwo zwischen spooky und absurd.
Man kann als Fan nur hoffen, dass es nicht bei den sechs Episoden bleibt. “Akte X” hat nach Serienende ein Loch in der Fernsehlandschaft hinterlassen, das von keiner anderen Serie richtig gefüllt werden konnte.
Mögen noch viele unheimliche Fälle von Mulder und Scully gelöst werden!
I want to believe ;-)

Ash vs. Evil Dead

Für die Fans des Kultfilms, der mittlerweile schon fast 25 Jahre zurückliegt, war die Nachricht einer Serie, für die man auch Bruce Campbell wieder gewinnen konnte, mit Sicherheit ein wahrer Seelenbalsam. Die Geschichte spielt auch knapp 25 Jahre nach der des Films und Ash muss sich ungewollt noch einmal mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Die Kettensäge wird wieder aufgesteckt, um die Welt vor dem Untergang zu bewahren.

Es gibt natürlich wieder reichlich Blut, zerplatzende Köpfe, verrückte Zombiemonster und viele coole Sprüche. Die Besetzung, die man neben Bruce Campbell gewinnen konnte, überzeugt auf ganzer Linie und Sam und Ivan Raimi haben Gott sei Dank darauf verzichtet, die Effect perfektionieren zu wollen. Dies gibt der Serie genau den trashigen B-Movie Look, den sie braucht.

Für Freunde der Filme ist die Serie ein absolutes Muss. Für andere bietet sie natürlich auch sehr viel Spaß. Man muss allerdings immer daran denken, alles mit einem Augenzwinkern zu anzuschauen – genauso, wie es von den Machern auch angedacht war.

Extrem blutig, wunderbar brutal, absolut kein Trorture-Porn-Schwachsinn, sondern bester Horror, der einen auch immer wieder mal lachen lässt.

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Fear the Walking Dead

Als es hieß, dass es eine Art Prequel zu “The Walking Dead” geben soll, waren nicht wenige erst einmal skeptisch. Nur weil es mit “Better Call Saul” und “Breaking Bad” funktioniert hat, muss es nicht unbedingt auch bei der Erfolgs-Zombie-Serie klappen. Der Ausbruch einer Seuche oder Krankheit, die alle Menschen zu Zombies macht, scheint an sich eher eine gute Story für einen Film zu sein, aber kann eine ganze Serie damit erzählt werden? Bei “The Walking Dead” spielt der Ursprung der Zombieseuche nur bedingt eine Rolle. Die Zeit, bzw. die Welt danach ist das, was interessiert.
Nachdem aber nun die ersten Episoden von “Fear the Walking Dead” zu sehen sind, kann man sagen, dass es die Serie sehr gut versteht, eine eigene Tonalität zu entwickeln, ohne dem großen Vorbild zu sehr nachzueifern. Die Besetzung ist bis hin zu den (normalerweise nervigen) Kinderdarstellern gelungen. Man hat bis jetzt darauf verzichtet, eine direkte Verbindung zur Originalserie zu schaffen, was auf jeden Fall eine gute Entscheidung ist.
Während “The Walking Dead” in einer apokalyptischen Welt spielt, ist es hier sehr nett anzusehen, wie mit dem Zombieausbruch in der Jetzt-Welt umgegangen wird. Handyvideos von Zombie-Attacken – echt oder gefaked? Nachrichten im Fernsehen – Lüge oder Wahrheit? Die Serie versteht es, auf intelligente Weise mit der Rolle der Medien und sozialer Netzwerke zu spielen. Auf diesem Weg bekommt die Serie einige Features, die dem Original fehlen.
Es bleibt abzuwarten, wie lange sich das Ausbruchs-Szenario hinziehen lässt, aber es sieht sehr vielversprechend aus.
Wer “The Walking Dead” mag, wird sicher auch an dem Prequel seine Freude haben. Auf jeden Fall lohnt es sich, mal reinzuschauen.

The Brink

HBO hat mit der Serie “The Brink” mal wieder eine erstklassige Polit-Comedy abgeliefert.
In “The Brink” geht es, wie der Titel vermuten lässt, um einen kurz bevorstehenden Krieg zwischen Indien, Pakistan und China. Eine Reihe von problematischen Zwischenfällen und allerlei Fettnäpfchen sind dafür verantwortlich, dass die politischen Emotionen hochkochen. Mittendrin ist Alex (Jack Black), ein Mitarbeiter der Botschaft in Islamabad, der mithilfe des Aussenministers Walter Larson (Tim Robbins) versucht, die USA und Israel von einem Erstschlag gegen Pakistan abzuhalten.

Obwohl es eigentlich der perfekte Stoff für eine Politik-Militär-Machtspiel-Dramaserie ist, handelt es sich bei “The Brink” um eine in vielen Momenten sehr sarkastische aber nie herablassend wirkende Serie, die im Geiste von “Veep” es mal wieder geschafft hat, die Absurditäten “großer” Politik gekonnt offenzulegen. Beim Schauen der Serie ist man immer hin und her gerissen zwischen dem Gefühl “Garantiert läuft es in der Weltpolitik genauso ab” und einem unwohlen “Ich hoffe nicht”.

Die Besetzung ist super (wobei ich zugeben muss, dass ich Jack Black gegenüber ziemlich kritiklos bin) und man kann hoffen, dass nach der Pakistan Krise in zukünftigen Staffeln noch viele geopolitische Probleme gelöst werden.

Daredevil

Überall in der Stadt kann man die z.T. Fassadengroßen Poster für die neue Netflix-Serie “Daredevil” sehen, und nachdem nun schon ein paar Tage vergangen sind, hab ich es endlich geschafft, mir die Serie anzuschauen. Das von Netflix und Amazon propagierte ‘binge-viewing’, bei dem man alle Teile einer Staffel auf einmal zu sehen bekommt, ist für mich immer ein bisschen Fluch und Segen. Ein verregnetes Wochenende und man hat eine Staffel durch, aber zehn, sechzehn oder gar zwanzig Episoden auf einmal zur Verfügung haben, kann auch auch ein bisschen zu viel sein. (momentan sind mir schon die vier geleakten GOT Folgen zu viel).

Aber endlich habe ich “Daredevil” durchgesehen und war eigentlich positiv überrascht. Die Serie ist sehr finster, hin und wieder überraschend brutal, bleibt ihrer Comicvorlage jedoch, soweit ich es einschätzen kann, immer sehr treu. Die Prämisse ist eigentlich sehr schnell erklärt: der blinde Anwalt Matt Murdoch eröffnet seine erste Kanzlei und aufgrund seiner fast übermenschlichen Sinneswahrnehmung kann er des Nachts als ‘Daredevil’ die Kriminalität New Yorks bekämpfen. Zeitgleich zeigt die erste Staffel auch den Aufstieg den großen Bösewichts Wilson Fisk. Murdoch wird natürlich von einem Freund/Partner unterstützt, der auf wunderbare Weise von Eldon Henson verkörpert wird. Neben vielerlei vorhersagbarer Comic-Tropoi gibt es immer wieder nette Überraschungen und da es sich bei “Daredevil” um keine klassische TV Serie handelt, hatten die Autoren auch erzählerisch einige Freiheiten, die eine serielle Erzählstruktur der klassischen wochenweisen TV-Serien nicht zulässt.

Im Großen und Ganzen kann man “Daredevil” natürlich allen Comicfans empfehlen, da in dieser Serie die dunkle Hell Kitchen- Crime-Fighter Atmosphäre bestens rüberkommt und, zumindest für meinen Geschmack, die Besetzung des Daredevil mit Charlie Cox sehr gelungen ist. Aber auch Nicht-Comicfans bietet die Serie viel – gelungene Nebenfiguren, eine durchweg gut Besetzung, spannende Fälle und natürlich am Ende die Vorfreude auf die nächste Staffel.

Netflix hat es geschafft, sich als ernstzunehmender Serienproduzent zu etablieren. Ein Abo lohnt sich sicher auf jeden Fall und die Qualität der bis jetzt abgelieferten Serien lässt auf Spannendes in der Zukunft hoffen.

Berlinale Nachlese Serien

Die 65. Berlinale war in diesem Jahr neben den wie immer gefeierten Filmpremieren und Wettbewerbsbeiträgen auch der Schauplatz von insgesamt 8 Serienpiloten. Sicher sollte man es nicht überbewerten, aber es heißt schon etwas, wenn ein so angesehenes Filmfestival sich entscheidet, Serien ins dicht gepackte Programm zu nehmen. Auch in den vergangenen Jahren liefen schon Serien wie “Top of the Lake” auf der Berlinale, aber diesmal gab es eine wesentlich größere Auswahl.

Neben sechs internationalen Serien waren war auch zwei deutsche Serien am Start. Einerseits die Polizeiserie “Blochin” und auch die vom Publikum und den Kritikern gleichermaßen gefeierte Serie “Deutschland 83″.

Auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich sicher noch etwas hinterher hinkt, ist doch eine positive Tendenz zu erkennen. Im Fall von “Dtl.83″ handelt es sich sogar um eine Serie, die in einer für Deutschland untypischen horizontalen Erzählweise verfasst ist, als eigentlich typische “ZDF Qualitätsserie” von RTL finanziert wurde und als erste deutschsprachige (und zweite nicht englischsprachige Serie jemals!) in den USA mit Untertiteln im TV zu sehen sein wird – ein Erfolg, der nicht zu unterschätzen ist.

Man kann hoffen, dass die wachsende Popularität von Serien im Allgemeinen und die hoffentlich langsam aufwachenden deutschen Fernsehschaffenden dafür sorgen, dass “Blochin” und “Deutschland 83″ nicht einfach nur positive Ausnahmen bleiben, sonder den Beginn eines deutschen/europäischen Qualitätsserienbooms sind.

Transparent und Amazon

Nachdem “Transparent” nun zwei Golden Globes gewonnen hat, hat man plötzlich Amazon als Serienproduzent auf dem Schirm. Nachdem Netflix mit seinen Eigenproduktionen schon gehörig positive Kritik einfahren konnte, hat Amazon nun kräftig nachgelegt.
Die preisgekrönte Serie “Transparent” ist dabei sicher erst der Anfang. Wenn man sich anschaut, was Amazon Prime noch so im Angebot hat, darf man sich wahrlich auf gute Unterhaltung freuen. “Alpha Dogs” war vor 2 Jahren der geglückte Startschuss, der trotz exzellenter Besetzung weitgehend unter dem Radar lief. Die jetzt anstehenden Serien sollte man sich unbedingt anschauen (kostenloses amazon prime Probe-Abo und los!).
Ron Perlman, Mena Suvari, Steven Soderbergh und John Goodman sind nur einige der Stars, die auf die eine oder andere Weise für Amazon Serien machen.
Auch wenn die Idee für einige noch abwegig zu sein scheint, ist es eigentlich schlüssig und von Amazons Seite aus ein cleverer Schachzug. Die Verwertungskette beginnt bei “kostenlosem” Streaming für Prime Kunden, geht dann zum Kauf/Leihen einzelner Episoden und endet im Verkauf der Soundtrack Musik. Mal sehen, wann Apple ein wenig von seinen unendlichen Geldreserven in die Hand nimmt und dem Beispiel folgt…
Sicher wird es noch einige Jahre dauern, bis die Leute akzeptieren, dass das klassische Fernsehen für Serien und Filme eigentlich verzichtbar ist. In der heutigen Zeit hat das Fernsehen keine wirklichen Vorteile mehr (es sei denn, es geht um Talkshows, Sport oder Nachrichter), wenn es um fiktive Inhalte (“gescriptete Serien” und Filme) geht. Vor drei Jahren wurden die “Internet-Filmchen” noch müde belächelt, dann kam Netflix mit großen Eigenproduktionen um die Ecke. Nach anfänglicher Nervosität macht sich mittlerweile langsam Panik bei den “Fernsehschaffenden” breit. Wenn schlechtes Programm produziert wird, gehen die Zuschauer nicht mehr nur zu einem andern Sender, sondern zu einem anderen Medium über. Damit haben diese Medien dann wiederum auch die Kundschaft und das Geld, um Qualität zu produzieren.
Netflix, als Streaming Dienst, wurde mit der Serie “House of Cards” bei Preisverleihungen noch übergangen. Mittlerweile kommt auch die Unterhaltungsindustrie nicht mehr daran vorbei, Inhalte alternativer Medien zu berücksichtigen. In diesem Sinne hat “Transparent” wirklich ein Tür aufgestoßen und dabei einen weiteren Nagel in den Sarg des klassischen Fernsehens geschlagen.