Endlich zurück: Orange is the New Black – Season 4

Als vor drei Jahren die Serie „Orange ist he New Black“ auf Netflix startete, war dies in vielerlei Hinsicht ein Glücksfall, wenn nicht gar in mancherlei Hinsicht bahnbrechend. Pünktlich zum Start der 4. Staffel, lohnt es sich, noch einmal einen genaueren Blick auf diese wunderbare Serie zu werfen und denen von Euch, die die Serie noch nicht gesehen haben (soll es ja wirklich geben!), das Nachholen der ersten drei Staffeln und das Eintauchen in die viel versprechende vierte Staffel nahezulegen.

Was ist aber der Grund für den Erfolg der Serie?

Orange is the New Black hat es geschafft, von einer absoluten Außenseiterposition die Erfolgsserie House of Cards von Platz 1 der Netflix-eigenen Serien zu verdrängen. Es hat sich in den letzten drei Jahren eine derartig große Fangemeinde entwickelt, dass selbst die Hauptdarstellerinnen den Erfolg kaum fassen können. In einem Gespräch anlässlich des Starts der 4 Staffel verriet mir Uzo Abuda (Crazy Eyes), dass es ihr und auch ihren Kolleginnen immer noch fast unwirklich erscheint, um die Welt zu reisen, um die Serie zu präsentieren. Doch dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr.

Als erstes muss man natürlich die starke Besetzung der Serie erwähnen. Kaum eine Serie hat es zuvor geschafft, mit so vielen starken Frauenfiguren aufzutrumpfen. Was als Besonderheit noch hinzukommt ist die Tatsache, dass es (ganz untypisch für amerikanische Serien) nicht nur Frauen gibt, die wirken, als wären sie aus Model-Katalogen gecastet worden. Man hat durchweg mit „echten“ Charakteren zu tun. Lea DeLaria (Big Boo) hat mir erzählt, dass es für sie und ihre Kolleginnen sehr angenehm ist, „…knappe 30 Sekunden in der Maske zu sitzen, dann einen Overall überzuziehen und loszulegen“. Dies erlaubt es den Schauspielerinnen auch, viel ihrer eigenen Persönlichkeit mit vor die Kamera zu nehmen.

Ein weiterer interessanter Punkt ist, wie Jenji Kohan, die die Serie schreibt und produziert, das Konzept der Serie über die ersten drei Staffeln stark verändert hat. Wie schon bei Kohans Erfolgsserie Weeds, hat man auch bei Orange is the New Black über die ersten drei Staffeln sehr gekonnt einen Genre-Wechsel vollzogen, der dieser Serie sehr gut getan hat. Anfangs war die Serie, auch aufgrund ihrer Prämisse, sehr stark im Bereich klassischer Comedy angesiedelt: Naives Blondchen kommt in den taffen Frauenknast und versucht, klarzukommen. Hätte man versucht, dies über mehrere Staffeln durchzuziehen, hätte sich die Idee wahrscheinlich sehr schnell totgelaufen. Aber durch das Verändern der Tonalität und auch einzelner Figuren hin zu einer Dramaserie, hat man sich für die jetzt beginnende vierte und die bereits in Auftrag gegebenen drei weiteren Staffeln die kreativen Möglichkeiten offen gehalten.

Im Jahr 2013 war die Idee einer Binge-Serie noch absolut neu. Auch Netflix als Serienproduzent und -vertrieb steckte noch in den Kinderschuhen. Für alle Beteiligten war es absolutes Neuland: Ein Streaming Dienst als Auftraggeber, der alle Episoden einer Staffel auf einmal bereitstellt. Heute weiß man, dass dies wahrscheinlich die Zukunft gescripteter Serien sein wird.

Damals hätte wohl auch niemand gedacht, dass diese Nischenserie aufgrund der Themen, die behandelt werden, und vor allem auch aufgrund der Besetzung in viele Richtung Türen aufstoßen und Diskussionen in der Mainstream-Kultur provozieren würde. Lesbische- und Transgender Themen werden in den Fokus gerückt und haben den gesellschaftlichen Diskurs immer wieder angeregt. Eine Serie wie „Transparent“ konnte für eine breite Masse so populär sein, weil OitnB es geschafft hat, den Weg zu ebnen.

Die Serie versteht es aber auch immer wieder, sich ihrer sozialkritischen Verantwortung klar zu werden, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger dazustehen. So werden Themen zu Minderheiten, Diskriminierung, Waffenbesitz, ungerechter Justiz, Gay-rights, Geisteskrankheit und profitorientiertem Strafvollzug immer wieder aufgegriffen.

Hier wird auch gleich zu Beginn der vierten Staffel angeknüpft, als der Einzug neuer Insassen für gehörige Probleme sorgt. Natürlich versucht Piper, ihre Rolle als Badgirl im Gefängnis zu stärken, und wir treffen auf neue Wachmänner und –frauen. Crazy Eyes bemerkt, dass sie nicht die verrückteste Insassin ist, und über eine kleine Splatter-Einlage darf man sich zu Beginn auch freuen.
Neben den bekannten Figuren kommen nun auch noch einige neue Gesichter hinzu, die im Verlauf der Serie den Cast sehr gelungen erweitern.

Natürlich ist es schon eine Herausforderung, mal eben drei, bzw. vier Staffeln einer Serie zu schauen, um auf dem aktuellen Stand zu sein. Ich persönlich finde so etwas immer eher ein wenig abschreckend. Aber im Fall von OitnB wird man aber wirklich belohnt. OitnB ist einer der Serien, der man wenigstens eine Chance geben sollte. Immer wieder ertappt man sich dabei, zu denken: Was würde ich machen?
Aufgrund der wachsenden Popularität der Serie konnte man sich von Staffel 1, als die Serie noch als großes Experiment angesehen werden konnte, bis hin zur 3. Staffel und 4 Emmys später, mehr und mehr erlauben und trauen. So konnte OitnB das schaffen, was nur wenigen Serien vergönnt ist: von Jahr zu Jahr immer besser zu werden. Hoffen wir, dass es bis zur 7. Staffel (und darüber hinaus) so bleibt.