Interviews

Interview mit Lennie James zu “TWD, Staffel 7”

Interview mit Rachel Keller zu “Legion”

 

Terrence Winter über “Boardwalk Empire”, die “Sopranos”, “Vinyl” und die Arbeit mit Martin Scorsese

Mr. Winter, wie kommt jemand darauf, eine erfolgreiche Anwaltskarriere an den Nagel zu hängen und zu sagen: Ich will Drehbuchautor werden. Sich so neu zu erfinden, hat was sehr amerikanisches, oder?

T.W.: Eigentlich war es ein sehr langer Prozess. Ich habe anfangs alles gemacht, dem Drang, ein Autor zu werden, nicht nachzugeben. Wenn ich es laut ausgesprochen habe, klang es völlig verrückt. Jemand, der in den 60er und 70er Jahren in Brooklyn aufgewachsen ist… Es gab keine Fernsehproduktionen und ich kannte auch niemanden, der ins Showbusiness wollte. Alle Leute um mich herum waren Cops, Feuerwehrmänner, Arbeiter. Allein schon die Idee, ins College zu gehen, galt als überambitioniert. Als Kind habe ich mich fürs Fernsehen interessiert. Irgendwann habe ich dann auch verstanden, dass es Leute gibt, die sowas als Beruf haben. In meinen Zwanzigern habe ich „Taxi Driver“ gesehen und begann, mich obsessiv mit Filmen zu beschäftigen. Ich bin sogar zu einer der wichtigsten Hochschulen für Film, NYU, gegangen. Ich hatte aber nie die Idee, professionell in den Bereich einzusteigen.

Was war Ihre Lieblingsserie als Kind?

T.W.: Eine Sitcom mit dem Namen „The Honeymooners“ mit Jacky Gleason. Eine Show aus den 50ern, von der es nur 39 Episoden gab, die aber immer wiederholt wurden. Und in einer Stadt wie New York gab es im Fernsehen immer die Wiederholungen vom Sitcoms aus den 50er und 60er Jahren. Ich habe sehr viel über Jokes und Humor gelernt. Wie man Witze richtig konstruiert etc. Aber ich habe es nie ernsthaft betrieben. Ich wollte eine Karriere machen, mit der ich reich werden konnte. Die einzigen Jobs, mit denen das möglich war, waren Arzt und Anwalt. Also bin ich Anwalt geworden. Es war sehr anstrengend, aber ich habe die Schule geschafft, aber Spaß hat es nie gemacht. Ein Job muss auch nicht Spaß machen. Niemand mag seinen Job. Also lieber als Anwalt viel Geld verdienen, als irgendwo den Fußboden zu schrubben.

Ich habe die BAR Prüfung geschafft, einen Job in einer großen Kanzlei bekommen. Ich hatte eine Sekretärin, eine schicken Anzug und ein Büro mit Ausblick. Nach drei Tagen dachte ich: Was zur Hölle mach ich hier?

Trotzdem hab ich es zwei Jahre lang ausgehalten. Und eines Tages dachte ich: Womit willst du deinen Tag verbringen? Vergiss das Geld, vergiss die College-Kredite… Was willst du machen? Und die Antwort war: Autor. Ich wollte Sitcoms schreiben. Plötzlich fühlte ich mich wie von einer Last befreit. Dann bin ich nach LA gezogen. Ich war 30 Jahre alt und habe wieder in einer WG gewohnt. Dann habe ich mich um Jobs gekümmert, meinen Juraabschluss vom Lebenslauf genommen und wollte einfach einen stinknormalen Job machen.

Und was war dann der erste Job in LA?

T.W.: Ich habe als Anwaltsgehilfe gearbeitet. Und die dachten, dass ich der cleverste Gehilfe was, den sie jemals hatten und mindestens einmal pro Monat hat mein Boss gesagt, dass ich Jura studieren sollte. Und nach zwei Jahren bin ich dann zu ihm und habe gesagt, dass ich einen neuen Job bei einer TV-Serie bekommen habe. Er war absolut konsterniert.

Dann waren Sie 32 Jahre als, als Sie Ihren ersten Job als Drehbuchautor bekommen haben?

T.W.: Stimmt. Natürlich hatte ich eine tickende Uhr im Hinterkopf. Ich war keine 23 mehr. Aber ich hatte Lebenserfahrung und eine gute Arbeitsmoral. Wenn man von Freitag bis Dienstag ein neues Script schreiben musste, weil ein Schauspieler krank war, habe ich halt das Wochenende nicht geschlafen. Und ich war schon viel gereist. Ich hatte mich verliebt und habe Schluss machen müssen, wichtige Leute in meinem Leben sind gestorben – Lebenserfahrung eben. Und viele 23 Jährige haben das halt nicht. Deren Erfahrung kommt vom Film oder Fernsehen.

Als ich bei den „Sopranos“ angefangen habe, war ich mit Abstand der jüngste. Die waren alle Mitte 50. Ich war da gerade mal 40. Ich war der Junior im Writers Room.

Wie war es, zu einer der damals angesagtesten Shows zu kommen?

T.W.: Ich war super nervös. Und ich musste als Aufnahmetest ein Drehbuch schreiben. Zu dem Zeitpunkt habe ich an einer animierten Serie mitgeschrieben. Ich hatte bin um 3 Uhr nach Hause gekommen, habe bis 8 Uhr morgens an der Soprano-Folge geschrieben und bin dann wieder zur Arbeit. Es war natürlich eine unglaubliche Sache und Gott sei dank mochten sie die Episode. Ich habe den Job bekommen, hatte dann aber das nächste Problem: Die Serie war in aller Munde, ein Monster-Hit. Ich habe zusammen mit Todd Kessler („Damages“, „Bloodline“) angefangen und wir haben uns Sorgen gemacht, dass wenn die 2. Staffel schlecht wird, wird man uns verantwortlich machen. Aber glücklicherweise wurde die 2. Staffel ein noch größerer Erfolg und erst dann habe ich aufgehört, mir Sorgen zu machen.

An welchem Punkt in Ihrer Autorenkarriere haben Sie zum ersten Mal gedacht: Ich bin richtig gut in dem, was mache.

T.W.: Auf den Moment warte ich noch (lacht). Und das ist nicht mal gelogen. Ich habe immer noch viele Zweifel, wenn ich mich hinsetzte und ein neues Buch schreiben muss. Dann sehe ich die 4 Emmys im Regal und denke, so schlimm wird’s schon nicht werden (lacht).

Vor den „Sopranos“ findet man in Ihrer Vita auch Serien wie „Flipper“, an der Sie mitgeschrieben haben. Wann war der Punkt erreicht, als Sie gesagt haben: Jetzt bin ich Drehbuchautor, und nicht ein Anwaltshelfer mit Schreib-Hobby.

T.W.: Ganz am Anfang, als ich in die Autorengewerkschaft eintreten durfte. Aber in LA trifft man immer wieder Schauspieler, die noch nie gespielt haben und Produzenten, die noch auf ihre erste Produktion warten. Also richtig als Autor habe ich mich erst gesehen, als ich mit dem Schreiben Geld verdient habe. Und auch heute noch ist es unglaublich selten, dass man mit dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

Wie schwer war es für Sie als Kreativer, von den Sopranos Abschied zu nehmen?

T.W.: Eigentlich sollten die Sopranos zwei Jahre früher zuende sein. Allerdings konnte ich den Showrunner an einem Sonntag Nachmittag, einen Tag bevor er HBO das Aus verkünden wollte, überzeugen, weiterzumachen. Als es dann zwei Jahre später wirklich vorbei war, hatten wir alles erzählt. Es war traurig, von den Leuten Abschied zu nehmen, aber ich hatte da bereits einen Vertrag mit HBO für „Boardwalk Empire“ in der Tasche und konnte viele Kollegen mitnehmen. Etwa zwei Drittel der Crew ist mitgekommen. Und dann später mit zu „Vinyl“.

Sie haben vor einiger Zeit in einem Interview gesagt, dass Sie in Ihren Geschichten immer versuchen, zwei Figuren in einen Hochdruck-Kochtopf zu stecken, das Feuer hochdrehen und gucken, was passiert. Ist das ein Prinzip, dass Sie bei all Ihren Projekten verfolgen?

T.W.: Ja und Nein. Es ergibt sich aber immer so, dass eine Hochdruck-Situation entsteht. So, wie das Leben in New York war und auch noch ist. Die U-Bahn ist ein Hochdruck-Kochtopf. Hundert Leute passen rein, fünfhundert sind drin. Wenn man pendeln muss, ist man bei der Ankunft am Arbeitsplatz so weit, dass man jemandem den Kopf abschlagen könnte.

Und beim Drama kommt es auf Konflikte an. Wenn alles ganz problemlos abläuft, gibt’s nichts zu erzählen.

Glauben Sie, dass Sie aufgrund ihres verhassten Jobs als Anwalt so gut sind, sich in Kriminelle hineinzuversetzen? Eine Art Wiedergutmachung, quasi…

T.W.: Eine gute Frage. Eigentlich versuche ich sie nur als Menschen zu schreiben. Die Bad-Guys sehen sich selbst nicht als schlechte Menschen. Sie versuchen immer alles zu rationalisieren. Und wenn man es sich in der Realität anschaut, ist es doch ähnlich. Wenn man einen Jugendlichen aus einem Problembezirk fragt, der reich werden möchte, ob er in die Schule gehen will, einen Kredit für die Uni aufnehmen möchte, um dann evtl. mit 40 eine schöne Wohnung und einen Mercedes zu haben; oder ob er die paar Päckchen Drogen verkaufen will und dann in 6 Monaten alles hat… Für die meisten ist es verständlicherweise relativ einfach. Und die Mafia-Typen sehen sich selbst als Soldaten, die doch nur andere Soldaten umbringen. Was soll da so schlimm sein…

Als es mit „Boardwalk Empire“ losging, was war da die größte Herausforderung?

T.W.: Wir mussten ein ganzes Universum entstehen lassen. Man beginnt mit einer Figur und muss eine ganze Welt um ihn herumbauen. Narrative Strukturen usw. Ein Haufen Recherche war nötig. Was war in der Welt los, wie haben die Leute damals gesprochen, unendlich viele Dinge, die man herausfinden musste.

Als ich dann anfing an dem Script zu schreiben, habe ich nach drei Zeilen gemerkt, dass es eigentlich sinnlos ist. Wie soll dieses Setting von damals, die Hotels, der Boardwalk, die 20er Jahre Ästhetik nachgestellt werden? Ich habe mich dann eine bisschen mit CGI und Greenscreen-Technik beschäftigt und plötzlich schien es möglich zu sein. Und schließlich war es so, dass etwa 80 Prozent des Boardwalks aus dem Computer kommen. Wir haben ein großes Set gebaut, aber das meiste ist fake. Der Ozean kommt auch aus dem Computer.

Wie war es, mit Martin Scorsese zu arbeiten?

T.W.: Großartig. Er war genau so wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Als ich jünger war, war er mein Idol. Als ich dann 30 Jahre später den Anruf von HBO kriege, und ihn treffen soll, habe ich gehofft, dass es nicht unangenehm wird und es war super. Ich kann es selbst kaum glauben, dass ich heute mit ihm in Verbindung gebracht werde. Er ist immer interessiert, was der Autor denkt. Er ist sehr offen und fragt immer nach.

Wie nervös waren Sie am Anfang, ihm Ihre Meinung mitzuteilen?

Sehr nervös! Es war nervenaufreibend. Es war eine Szene in „Boardwalk Empire“ und ich musste eine Szene korrigieren. Der Schauspieler hatte vergessen, in einer Szene den Hut abzunehmen, was in den 20er Etikette war. Und immer wieder. Und ich bin zum Assistenten und frage ihn: Ich muss Marty eine Notiz geben, wie mache ich das am besten. Und er meinte: Keine Ahnung! Normalerweise gibt man ihm keine Notizen. Aber ich bin dann geneigten Haupes zu ihm hin und letztendlich war er sehr glücklich darüber. Natürlich will er in seinen Werken keine Fehler machen.

Als nächstes kam dann „Vinyl“. Seit wann ist Ihnen diese Idee im Kopf rumgeschwirrt? Es sollte anfangs ein Film werden, oder?

T.W.: Im Jahr 2008 hat mich Martin Scorsese angerufen und mir erzählt, dass er schon seit Jahren so ein Projekt mit Mick Jagger am Laufen hat. Mick hatte ihn angerufen mit einer Idee: „Casino“ in der Welt des Rock’n Roll. Ein riesengroßes Epos, das über Jahrzehnte hinweggeht. Nachdem es schon ein paar Drehbücher gab, die aber alle irgendwie nicht funktioniert haben, habe ich den Auftrag gekriegt, auch ein Buch zu schreiben, habe es eingereicht und die Zuständigen fanden es super. In diesem Moment ist die Weltwirtschaft zusammengebrochen und plötzlich wollte keiner mehr einen dreistündigen Film drehen, der schon allein der Musik wegen Unmengen verschlungen hätte. Paramount sagte uns ab. Meine Frau sagte dann: Mach doch eine Serie draus! Was für eine gute Idee…

Es hat dann nochmal ein paar Jahre gedauert, weil ich so viel zu tun hatte. Schließlich haben wir den Piloten gedreht, die Kritiker fanden es super, dann noch die restlichen Folgen und alle waren glücklich.

Doch dann bringt HBO den Piloten zeitglich zum Start der fünften Staffel von „The Walking Dead“. Man war der Meinung, dass es sich um ein anderes Publikum handeln würde, aber es gab kein anderes Publikum außer bei „The Walking Dead“! Dann war es auch noch am Valentinstag um 21 Uhr. Ein zweistündiger Pilot. Die paar Leute, die überhaupt geguckt haben, waren super angepisst. Am nächsten Morgen kamen die Quoten: TWD 15 Mio, „Vinyl“ 700.000. Ein Desaster!

Dann gab es viel Stress mit HBO, ich musste mich um Mick und Marty kümmern und am Ende hab ich mich mit dem Sender verkracht. Die Serie war super, aber alles, was schiefgehen konnte, lief schief.

Jemand wie Sie, der augenscheinlich alles erreicht hat, welche Wünsche hat der noch? Privat und auch beruflich.T.W.: Ich will einfach weiterhin das machen, was ich momentan mache. Und wenn es möglich ist, möchte ich erleben, wie meine Kinder ihren Uniabschluss machen. Das Leben war ziemlich gut zu mir und ich hoffe, es bleibt die nächsten 25 Jahre noch so.

 

 

Lennie James und die Staffel 7B von „TWD“ 

Wie geht es weiter, was macht Morgan, trifft er auf Negan und was passiert hinter den Kullissen?

Ab 13.Februar geht’s weiter und hier das Interview mit Lennie…

Offensichtlich findet die Crew wieder zu ihrer alten Stärke zurück und will es nun mit Negan aufnehmen. Was kannst oder darfst du dazu sagen?

L.J.: Also es ist natürlich offensichtlich, dass den zu Beginn der Staffel die Grenzen zwischen Alexandria und dem Kingdom und den ‚Saviors’ und Negan abgesteckt wurden. Und es gibt noch einige andere Welten, in die die Zuschauer eingeführt wurden und die wieder zurückkommen. Mindestens eine, die es schon gab, und die gegen Ende der Staffel nochmal auftaucht. Und natürlich wird sich auf den Krieg vorbereitet. Also ich glaube, dass das alles ist, was ich sagen kann, und alle anderen Antworten werden Variationen von genau dieser Aussage sein (lacht).

Wie genau gehst du als Privatperson damit um, dass die Leute dich immer wieder fragen, und du eigentlich nichts sagen darfst?

L.J.: Ehrlich gesagt, kommt es darauf an. Manchmal eine Lüge, die sehr dicht an der Wahrheit ist. Das große Problem war natürlich am Ende der letzten Staffel die Frage, wer sterben würde. Und eigentlich war es so, dass man eine ganze Reihe von Todesszenen gedreht hatte. Alle, die nebeneinander im Dreck gekniet hatten, wurden von Negan umgebracht. Ich konnte also immer antworten:“ Alle sterben.“

In der ersten Staffel hattest du einen kurzen, aber legendären Auftritt. Dann warst du lange weg und bist nun in eine der größten Serien, die es weltweit gibt, zurückgekommen. Mit welchem Gefühl geht man da ran?

L.J.: Ehrlich gesagt, bedeutet es mit gar nichts. Ganz einfach, weil es mir nichts bedeuten kann oder sollte. Ich habe vorher schon gearbeitet und werde nach der Serie auch weiterarbeiten. Ich konzentriere mich auf die Rolle und versuche, den Job wie jeden anderen Job zu betrachten. Natürlich war es für mich viel einfacher, als ich kurz ans Set bin und die eine Episode gemacht hatte. Es war eine Rolle, die mir auf den Leib schreiben wurde und deswegen war es einfach. Dann in Staffel 5 und 6 zurückzukommen, das war eine ganz andere Sache. Aber die sieben Monate, die wir drehen, versucht man den weltweiten Rummel auszublenden, um eine gute Arbeit abzuliefern.

Deine Kinder halten dich auf dem Boden, oder?

L.J.: Auf jeden Fall!

Sehen sie die Serie?

L.J.: Vorher nicht, aber jetzt sind sie natürlich Fans.

Wenn man bedenkt, dass deine Figur im Comic stirbt, wie nervös bist du, wenn du ein Drehbuch zugeschickt bekommst?

L.J.: Normalerweise nicht sehr nervös. Es ist so, dass zu Beginn der Staffel Scott Gimple bei dir anruft und fragt, ob du mit ihm frühstücken willst. Und dann erklärt er dir die Reise, die deine Figur in der kommenden Staffel durchmachen wird. Welche Figuren er treffen wird, welche Rolle er innerhalb der Gruppe spielt, etc.

Und man bekommt nichts davon mit, weil man immer nur denkt: „Bin ich tot, werde ich getötet…“ Und wenn er fertig ist, und du merkst, dass du noch lebst, sagst du: „Scott, erzähl mir bitte nochmal alles von Anfang an!“

Und alle machen das durch. Du erfährst also bei diesem Frühstück, ob du stirbst oder nicht. Es ist also keine Überraschung. Man wird aber gebeten, den anderen Schauspielern nichts zu sagen. Und bevor die Episode dran ist, bekommen alle einen Anruf mit der Info.

Aber ehrlich gesagt, ist das ein Teil des Jobs. Niemand kommt zu den Walking Dead und hofft ewig zu leben.

Sind für dich die intensiven Szenen eher eine Herausforderung, oder eher die Szenen, wo du richtig jemanden verdreschen darfst?

L.J.: Eine Sache, die ich an Morgan liebe, ist die Tatsache, dass er beides zu tun bekommt. Und Scott Gimple hat sich die Figur des Morgan wirklich zu Eigen gemacht. Er hat die Schlüsselepisoden für Morgan geschrieben. Und er ist wirklich unglaublich talentiert. Und dann haben sie mir noch einen Stock gegeben und gezeigt, wie man ihn umherwirbelt. Und wenn ich dann eine Szene habe, in der es all die Stuntleute gibt, und ich sie vermöbeln darf, bin ich glücklich wie ein kleiner Junge, der im Garten mit seinen Freunden spielt. Das könnte ich den ganzen Tag machen. Und dann haben sie mich auch noch auf ein Pferd gesetzt… Mann, besser geht es kaum und ich werde auch noch dafür bezahlt (lacht).

Ist Morgan an einen Punkt gekommen, wo er versteht, dass er kämpfen muss?

L.J.: Keine Ahnung. Es sind noch acht Episoden. Und es wird noch einige Überraschungen und Wendungen geben. Aber was Morgan wirklich mitbringt, die Frage, die er in der Serie anspricht ist, dass alle, die wir jetzt in der Serie treffen, haben es geschafft, zu überleben. Wie auch immer. Waffen, schnell sein, ein Fleischanzug usw. Aber jetzt, wo wir es geschafft haben, zu überleben, wie wollen wir weiterleben? Sehen wir alle Neuankömmlinge als potenzielle Feinde, oder lassen wir uns auf sie ein? Und genau das will Morgan herausfinden. Und ich genieße es sehr, mit den Zuschauern zu spielen, ihre Reaktionen zu sehen.

Rick und Morgan sind schon mehrmals aneinandergeraten. Wird das seine Entscheidung bezüglich des Kingdoms beeinflussen?

L.J.: Ja… Das ist die kurze und die lange Antwort. Viel kann ich natürlich nicht sagen, aber für mich persönlich ist es sehr interessant, dass wir jetzt einen Cast von 18 oder 20 Stammcharakteren haben und ich bis jetzt Szenen mit vielleicht drei von ihnen hatte. Ich habe also noch so eine gnaze Reihe von Leuten, mit denen ich spielen kann. Ich genieße sehr die Szenen, die ich mit König Ezekiel und Carrol. Und Rick und Morgan sind in dieser Staffel noch nicht wirklich aufeinandergetroffen. Mit Norman habe ich diese Staffel das erste Mal spielen dürfen, und wir sind vier, fünf Jahre in der gleichen Serie dabei. Einmal habe ich ihn gerettet, aber sprechen werden wir später in der Staffel das erste Mal miteinander. Aber es ärgert mich wirklich, wenn eine Figur getötet wird, bevor ich mit ihr spielen konnte.

Wie wird sich die Beziehung zwischen Carrol und Morgan entwickeln?

L.J.: Viel kann ich natürlich nicht sagen, aber es wird klar werden, dass Carrol entweder Morgans Rettung oder Untergang sein wird. Sie spielt eine entscheidende Rolle für seine Zukunft. Was also zwischen den beiden passieren wird, hat gerade mal begonnen und ist auf jeden Fall noch nicht vorbei.

Hast du als Stockschwinger Lust, einmal Lucille in die Hände zu bekommen?

L.J.: Ganz und gar nicht. Wenn ich ein neues Script bekommen, hoffe ich jedes Mal, dass ich nicht auf Negan treffe. Irgendwer stirbt immer, wenn Negan im Spiel ist. Und mit Lucille will ich auch nichts zu tun haben…

 

Rachel Keller (“Syd Barret” aus Legion)

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Wie würdest du sie Story der Serie für jemanden zusammenfassen, der noch nichts davon gesehen oder gehört hat?

R.K.: Für mich ist es ein surrealistisches Drama, in dem es um junge Leute und ihre  ganz eigenen Stärken geht.

Ich dachte, es geht um Superhelden?

R.L.: Das denken viele (lacht). Aber eigentlich geht es darum, was übrig bleibt, wenn man das Genre außen vorlässt und schaut, welche Geschichte erzählt wird. Ist es die zentrale Liebesgeschichte oder gibt es genug Interessantes zu erzählen, um die Leute zu begeistern? Das Genre dient schließlich nur als eine Art Linse, durch die wir die Geschichten auf eine magische Weise betrachten können. Super-Powers und übermenschliche Fähigkeiten kommen ins Spiel, aber die Serie nimmt sich selbst dabei nie zu ernst.

Und was kannst du über Syd sagen, die Figur die du spielst. Aus der ersten Folge ist es recht schwer vorherzusagen, ob oder wie real sie ist ?

R.K.: Am Anfang treffen wir sie in der Nervenklinik und sie wurde wohl angeblich mit einer extremen Form von Sozialphobie diagnostiziert, aber sie merkt sehr schnell, dass das nicht alles sein kann. Krank und unter Drogen – das kann nicht alles sein. Und als sie dann David trifft und der Funke überspringt, gehen die beiden auf ihre gemeinsame Reise. Also eigentlich ist es auch für sie eine relativ komplizierte Selbstfindungsreise.

Wie war es für dich, mit einer derart großen Firma wie Marvel zusammenzuarbeiten? Hast die den Druck gespürt?

R.K.: Ich bin selbst ein großer Comicfan, besonders der X-Men Comics. Als es also darum ging, dieses Universum in eine ganz bestimmte Richtung weiter zu expandieren, war ich sofort begeistert dabei. Und Marvel hat uns sehr unterstützt und Noah (Hawley) absolut vertraut.  Eigentlich habe ich mich selbst am meisten unter Druck gesetzt…. Für mich war es auch das erste Mal, dass ich bei so etwas riesengroßem mitgemacht habe. Meine Rolle in Fargo war im Vergleich sehr klein. Aber hier war ich wochenlang 16 Stunden am Tag beschäftigt.

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Hat es Spaß gemacht, wieder mit Noah (Hawley) und Jean (Smart)  zusammenzuarbeiten?

R.K.: Jean ist natürlich eine der ganz Großen im Geschäft, eine wundervolle Verwandlungskünstlerin. Ich hoffe, dass ich wieder mit ihr zusammenarbeiten kann. Egal was ich spielen müsste, ihre Enkelin, Assistentin, ihr Mutter, egal was… Und Noah ist wahrscheinlich einer der kreativsten und cleversten Menschen, die ich kenne. Er ist sehr ruhig und gibt dir Vertrauen auf eine ganz unspektakuläre Art und Weise. „Warum machen wir die Serie nicht einfache so… Und hier kommt dann die Bollywood Tanzszene.“ Als wäre es das normalste der Welt.

Und gibt es noch mehr Musicalszenen?

 R.K.: Ein Paar… Und ich darf sogar ein Talking Head Lied singen.

Eine Message, die ganz klar erkennbar ist in der Serie, zielt darauf ab, seine eigene Individualität zu leben – Sei, wer du bist!

R.K.: Stimmt genau. Und speziell für junge Frauen ist es wichtig. Die Figur der Syd, die ich spiele, muss sich nicht verbiegen. Sie ist, wie sie ist. Laut, stark, chaotisch, romantisch. Auch wie in der Serie mit Geisteskrankheit umgegangen wird ist sehr gut gelungen. Es ist nicht einfach nur ein Gag, sondern es wird sehr subtil und würdevoll damit umgegangen – trotzdem ist es nie schwer. Am Ende gibt es natürlich auch viele  lustige Momente. Ich glaube, es ist ein seht gutes Gleichgewicht.

Schaust du in deiner Freizeit viele Serien?

R.K.: Ich schaue alte Comedyserien, Für „Legion“ habe ich, als Inspiration gewissermaßen, viel Kubrick geschaut. Aber ich versuche auch, viel zu lesen.  Mehr als drei Episoden schaue ich normalerweise nicht am Stück an. Und das ist auch eine Sache, die Noah sehr wichtig ist. Eine Pause zwischen den Episoden. Man hat Zeit darüber nachzudenken, mit den Kollegen zu sprechen, alles zu verdauen, bevor es weitergeht.

Deine Figur in der Serie heißt Syd Barret. Es gab schon einen anderen berühmten Syd Barret?

R.K.: Das habe ich auch erste später herausgefunden, weil ich mich nie mit Pink Floyd beschäftigt hatte. Aber ich weiß, dass The Dark Side oft he Moon für Noah und unseren Soundtrack-spezialisten ein großer Einfluss war.

Hast du die „Legion“ Comics gelesen.

R.K.: Teilweise. Ich habe mich mehr für die Bilder interessiert. Die Geschichte der Serie orientiert sich ja auch nicht an den Comics, sondern hier und da wir mal ein wenig eingestreut… Ich bin aber immer wieder zu bestimmten Bildern der Comics zurückgekommen: Die Emotionen, die Farben, die Intensität. Das war auf jeden Fall eine Inspiration für mich. Das Narrative weniger.

Und deine Figur existiert im Comic ja auch nicht.

R.K.: Genau. Und deswegen hatte ich auch so viel Freiheit bei der Interpretation von Syd.

Der  Look der Serie ist sehr interessant. Ich  hatte beim Schauen keine Ahnung, in welcher Zeit  die Geschichte spielt. Gleichzeitig hat es mich stark an Stanley Kubrick erinnert…

R.K.: Und auch Wes Anderson. Die Idee war, dass man durch das Design der Serie, die Konstanten Zeit und Ort rausnimmt und sich dann auch das darunterliegende, die Geschichte konzentrieren kann.  Das ist auch genau das, was mich an der Arbeit mit Noah so fasziniert hat. Immer wenn ich dachte: „Jetzt verstehe ich, worauf du hinaus willst…“, lag ich daneben.

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Die Figur der Syd hat eine strenge „Nicht anfassen!“ Regel, was in den ersten Episoden zu wunderschönen und interessanten Momenten zwischen David und Syd führt, die ja sehr schnell Freund und Freundin werden.  Händchen halten und küssen, ohne sich zu berühren, z.B… Kann man sich auf noch mehr solche schönen Momente freuen?

R.K.: Auf jeden Fall. Auch hier hat Noah sich unglaublich viele Sachen einfallen lassen. Die Beziehung der beiden wirkt dadurch auch immer wieder besonders.

Zum Ende der Pilotfolge gibt es eine sehr beeindruckende Actionszene. Als ich es mir angeschaut habe, musste ich ein paar mal zurückspulen und sie mir nochmal ansehen. Wirklich sehr beeindruckend…

 R.K.: Eigentlich wollten wir einen lange Szene ohne Cut drehen, was leider nicht ganz geklappt hat. Aber das Ergebnis ist trotzdem sehr cool geworden.  Uns sind ständig dinge um die Ohren geflogen und immer wenn man irgendwo tief im Schlamm steckte, rief der Regisseur „Cut“ und wir mussten nochmal ran. Für eine andere Szene musste ich stundenlang unter Wasser bleiben und immer wieder perfekt getimt auftauchen und einen ganzen Nachmittag habe ich in einem engen Lüftungsschacht verbracht. Es gibt eine ganze Menge beeindruckender Stunts und Actionszenen, aber keine ist wie die andere.

Als letztes möchte ich natürlich noch wissen, welches deine Lieblingsfiguren im Marvel Universum sind.

Ehrlich gesagt Wolverine, Mysique und Rogue. Der erste X-Men Film ist mein persönlicher Lieblings-Marvel-Film…