The Brink

HBO hat mit der Serie “The Brink” mal wieder eine erstklassige Polit-Comedy abgeliefert.
In “The Brink” geht es, wie der Titel vermuten lässt, um einen kurz bevorstehenden Krieg zwischen Indien, Pakistan und China. Eine Reihe von problematischen Zwischenfällen und allerlei Fettnäpfchen sind dafür verantwortlich, dass die politischen Emotionen hochkochen. Mittendrin ist Alex (Jack Black), ein Mitarbeiter der Botschaft in Islamabad, der mithilfe des Aussenministers Walter Larson (Tim Robbins) versucht, die USA und Israel von einem Erstschlag gegen Pakistan abzuhalten.

Obwohl es eigentlich der perfekte Stoff für eine Politik-Militär-Machtspiel-Dramaserie ist, handelt es sich bei “The Brink” um eine in vielen Momenten sehr sarkastische aber nie herablassend wirkende Serie, die im Geiste von “Veep” es mal wieder geschafft hat, die Absurditäten “großer” Politik gekonnt offenzulegen. Beim Schauen der Serie ist man immer hin und her gerissen zwischen dem Gefühl “Garantiert läuft es in der Weltpolitik genauso ab” und einem unwohlen “Ich hoffe nicht”.

Die Besetzung ist super (wobei ich zugeben muss, dass ich Jack Black gegenüber ziemlich kritiklos bin) und man kann hoffen, dass nach der Pakistan Krise in zukünftigen Staffeln noch viele geopolitische Probleme gelöst werden.

Daredevil

Überall in der Stadt kann man die z.T. Fassadengroßen Poster für die neue Netflix-Serie “Daredevil” sehen, und nachdem nun schon ein paar Tage vergangen sind, hab ich es endlich geschafft, mir die Serie anzuschauen. Das von Netflix und Amazon propagierte ‘binge-viewing’, bei dem man alle Teile einer Staffel auf einmal zu sehen bekommt, ist für mich immer ein bisschen Fluch und Segen. Ein verregnetes Wochenende und man hat eine Staffel durch, aber zehn, sechzehn oder gar zwanzig Episoden auf einmal zur Verfügung haben, kann auch auch ein bisschen zu viel sein. (momentan sind mir schon die vier geleakten GOT Folgen zu viel).

Aber endlich habe ich “Daredevil” durchgesehen und war eigentlich positiv überrascht. Die Serie ist sehr finster, hin und wieder überraschend brutal, bleibt ihrer Comicvorlage jedoch, soweit ich es einschätzen kann, immer sehr treu. Die Prämisse ist eigentlich sehr schnell erklärt: der blinde Anwalt Matt Murdoch eröffnet seine erste Kanzlei und aufgrund seiner fast übermenschlichen Sinneswahrnehmung kann er des Nachts als ‘Daredevil’ die Kriminalität New Yorks bekämpfen. Zeitgleich zeigt die erste Staffel auch den Aufstieg den großen Bösewichts Wilson Fisk. Murdoch wird natürlich von einem Freund/Partner unterstützt, der auf wunderbare Weise von Eldon Henson verkörpert wird. Neben vielerlei vorhersagbarer Comic-Tropoi gibt es immer wieder nette Überraschungen und da es sich bei “Daredevil” um keine klassische TV Serie handelt, hatten die Autoren auch erzählerisch einige Freiheiten, die eine serielle Erzählstruktur der klassischen wochenweisen TV-Serien nicht zulässt.

Im Großen und Ganzen kann man “Daredevil” natürlich allen Comicfans empfehlen, da in dieser Serie die dunkle Hell Kitchen- Crime-Fighter Atmosphäre bestens rüberkommt und, zumindest für meinen Geschmack, die Besetzung des Daredevil mit Charlie Cox sehr gelungen ist. Aber auch Nicht-Comicfans bietet die Serie viel – gelungene Nebenfiguren, eine durchweg gut Besetzung, spannende Fälle und natürlich am Ende die Vorfreude auf die nächste Staffel.

Netflix hat es geschafft, sich als ernstzunehmender Serienproduzent zu etablieren. Ein Abo lohnt sich sicher auf jeden Fall und die Qualität der bis jetzt abgelieferten Serien lässt auf Spannendes in der Zukunft hoffen.

Berlinale Nachlese Serien

Die 65. Berlinale war in diesem Jahr neben den wie immer gefeierten Filmpremieren und Wettbewerbsbeiträgen auch der Schauplatz von insgesamt 8 Serienpiloten. Sicher sollte man es nicht überbewerten, aber es heißt schon etwas, wenn ein so angesehenes Filmfestival sich entscheidet, Serien ins dicht gepackte Programm zu nehmen. Auch in den vergangenen Jahren liefen schon Serien wie “Top of the Lake” auf der Berlinale, aber diesmal gab es eine wesentlich größere Auswahl.

Neben sechs internationalen Serien waren war auch zwei deutsche Serien am Start. Einerseits die Polizeiserie “Blochin” und auch die vom Publikum und den Kritikern gleichermaßen gefeierte Serie “Deutschland 83”.

Auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich sicher noch etwas hinterher hinkt, ist doch eine positive Tendenz zu erkennen. Im Fall von “Dtl.83” handelt es sich sogar um eine Serie, die in einer für Deutschland untypischen horizontalen Erzählweise verfasst ist, als eigentlich typische “ZDF Qualitätsserie” von RTL finanziert wurde und als erste deutschsprachige (und zweite nicht englischsprachige Serie jemals!) in den USA mit Untertiteln im TV zu sehen sein wird – ein Erfolg, der nicht zu unterschätzen ist.

Man kann hoffen, dass die wachsende Popularität von Serien im Allgemeinen und die hoffentlich langsam aufwachenden deutschen Fernsehschaffenden dafür sorgen, dass “Blochin” und “Deutschland 83” nicht einfach nur positive Ausnahmen bleiben, sonder den Beginn eines deutschen/europäischen Qualitätsserienbooms sind.

Transparent und Amazon

Nachdem “Transparent” nun zwei Golden Globes gewonnen hat, hat man plötzlich Amazon als Serienproduzent auf dem Schirm. Nachdem Netflix mit seinen Eigenproduktionen schon gehörig positive Kritik einfahren konnte, hat Amazon nun kräftig nachgelegt.
Die preisgekrönte Serie “Transparent” ist dabei sicher erst der Anfang. Wenn man sich anschaut, was Amazon Prime noch so im Angebot hat, darf man sich wahrlich auf gute Unterhaltung freuen. “Alpha Dogs” war vor 2 Jahren der geglückte Startschuss, der trotz exzellenter Besetzung weitgehend unter dem Radar lief. Die jetzt anstehenden Serien sollte man sich unbedingt anschauen (kostenloses amazon prime Probe-Abo und los!).
Ron Perlman, Mena Suvari, Steven Soderbergh und John Goodman sind nur einige der Stars, die auf die eine oder andere Weise für Amazon Serien machen.
Auch wenn die Idee für einige noch abwegig zu sein scheint, ist es eigentlich schlüssig und von Amazons Seite aus ein cleverer Schachzug. Die Verwertungskette beginnt bei “kostenlosem” Streaming für Prime Kunden, geht dann zum Kauf/Leihen einzelner Episoden und endet im Verkauf der Soundtrack Musik. Mal sehen, wann Apple ein wenig von seinen unendlichen Geldreserven in die Hand nimmt und dem Beispiel folgt…
Sicher wird es noch einige Jahre dauern, bis die Leute akzeptieren, dass das klassische Fernsehen für Serien und Filme eigentlich verzichtbar ist. In der heutigen Zeit hat das Fernsehen keine wirklichen Vorteile mehr (es sei denn, es geht um Talkshows, Sport oder Nachrichter), wenn es um fiktive Inhalte (“gescriptete Serien” und Filme) geht. Vor drei Jahren wurden die “Internet-Filmchen” noch müde belächelt, dann kam Netflix mit großen Eigenproduktionen um die Ecke. Nach anfänglicher Nervosität macht sich mittlerweile langsam Panik bei den “Fernsehschaffenden” breit. Wenn schlechtes Programm produziert wird, gehen die Zuschauer nicht mehr nur zu einem andern Sender, sondern zu einem anderen Medium über. Damit haben diese Medien dann wiederum auch die Kundschaft und das Geld, um Qualität zu produzieren.
Netflix, als Streaming Dienst, wurde mit der Serie “House of Cards” bei Preisverleihungen noch übergangen. Mittlerweile kommt auch die Unterhaltungsindustrie nicht mehr daran vorbei, Inhalte alternativer Medien zu berücksichtigen. In diesem Sinne hat “Transparent” wirklich ein Tür aufgestoßen und dabei einen weiteren Nagel in den Sarg des klassischen Fernsehens geschlagen.

Galavant

Musicals waren noch nie von großem Interesse für mich, weswegen ich der gerade gestarteten Serie “Galavant” anfangs sehr sehr skeptisch gegenüber stand. Nachdem ich ich dann aber durchgerungen habe und mir den Piloten angesehen habe, konnte ich kaum auf die zweite Folge warten.
In “Galavant” geht es um einen potenziellen Traumprinzen, dem seine Traumfrau von einem fremden König vor der Nase weggeschnappt wird. Als er versucht, seine Geliebt zurück zu gewinnen, entscheidet sich diese für den König, der sie entführt hat, weil dieser ihr Reichtum und Macht verspricht. Galavant ist daraufhin am Boden zerstört. Ein Jahr später soll sich jedoch eine Möglichkeit für ihn ergeben, das Herz seiner einst Geliebten zurück zu erobern.
Er begibt sich auf eine abenteuerlich Reise voller Überraschungen.
Wenn man jetzt noch daran denkt, dass ein Großteil der Dialoge gesungen wird, mag all das sehr abschreckend wirken. Aber die Serie ist so kurzweilig erzählt, steckt voller hintersinnigem Humor und vermag es selbst mich, als passionierten Musical-Gegner, in ihren Bann zu ziehen, dass mich getrost auf den Rest der Staffel freue.
Dan Fogelman, der die Serie produziert, hat sich in der Vergangenheit besonders im Animationsbereich und im Comedy-Genre im Kino einen Namen machen können.
Hoffentlich bleibt die Serie so frisch und überraschend, wie sie begonnen hat!

Black-ish

Nachdem nun einige Wochen der aktuellen Herbstsaison vergangen sind, konnte ich mir einen kleinen Überblick verschaffen, was momentan an neuen Sitcoms, bzw. Comedy Serien empfehlenswert ist. Neben den wiederkehrenden Klassikern à la “Modern Family”, “The Middle” und vielen vielen anderen, ist mir unter den neuen Serien besonders die Serie “Black-ish” aufgefallen.
Im ersten Moment schien mir die Prämisse nicht wirklich zuzusagen: Ein wohlhabende schwarze Familie versucht, sich in einer “weißen” Welt durchzusetzen…
Zuerst macht sich natürlich die Vermutung breit, dass es sich um eine Serie mit Typer-Perry-Humor handelt. Als ich jedoch gelesen habe, dass Lawrence Fishburne als Produzent und dann auch noch Larry Wilmore, den ich nicht nur aufgrund seiner “Daily Show” Auftritte sehr gern mag, als Showrunner mit dabei waren, habe ich begonnen, mir “Black-ish” einmal genauer anzuschauen.
Die erste Folge ist eine typische Pilotfolge: poliert, ein bisschen zuviel von allem, familienfreundlich und “likeable”. Die nächsten Folgen sind dann aber von Episode zu Episode immer besser. Man merkt, wie auch bei vielen anderen Serien, wann vom Sender aus die Probezeit vorbei war, eine volle Staffel bestellt wurde und die Produzenten und Autoren das machen konnten, was sie wollten.
Es geht hin und wieder mal unter die Gürtellinie, aber immer mit einem Augenzwinkern und nie wirklich böse. Die Serie läuft in den USA nicht im Bezahlfernsehen und ist demzufolge absolut familientauglich. Der Humor ist sehr amerikanisch, aber auf eine sehr angenehme Weise. Es ist wirklich erfrischend zu sehen, wie leicht die Macher der Serie mit Rassenproblemen, Vorurteilen und auch Rassismus von Schwarzen allen Nicht-Schwarzen gegenüber umgehen.
Eine wirklich sehr gelungene Comedy Serie, die hoffentlich so weitermacht, wie es bis jetzt der Fall ist.
Unbedingt im Original genießen! Nicht auszudenken, wie schlecht es wird, wenn so eine Serie fürs deutsche Fernsehen synchronisiert wird…

Canal+ Serienfestival

Genauso wie schon in den letzten Jahren fand in diesem Herbst in Madrid (später auch in Barcelona und Malaga) das von Canal+ organisierte Serienfestival statt. Serienpremieren, Staffelpremieren, Workshops und Forumsdiskussionen zum Thema Serie. Es ging um illegale Downloads, das perfekte Casting, VOD und unzählige andere Themen.
Der Eintritt war frei und mit einer Presseakkreditierung hatte man hier und da die Möglichkeit, mit einigen Experten hinter den Kulissen zu sprechen. Neben vielen wirklich interessanten Diskussionen war besonders bemerkenswert, dass das Thema Serie sich von Jahr zu Jahr einer sprunghaft ansteigenden Popularität erfreut. Das Publikum war größtenteils unter 25, und neben den Hardcore-Fans gab es auch etliche Leute, die einfach mal reingeschnuppert haben. Es gab neben einer von Mad Men inspirierte Gin-Bar, Zombies, einer „OITNB“-Gefängniszelle und einem blutigen The Knick Operationstisch allerlei Fan-Goodies.
Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass Canal+ neben eigenen Serienproduktionen und dem Rechtemonopol in Frankreich und Spanien mit dem ‘Festival de las Series’ eine wirklich nette Veranstaltung geschaffen hat, die auch wieder zeigt, welcher wachsenden Popularität sich Serien erfreuen.
Natürlich gibt es sehr bald auch noch einige audiovisuelle Eindrücke…

To be continued…

Gotham

Über den Sommer war leider eine längere Zwangspause angesagt, was mir aber (wie sollte es anders sein) viel Zeit zum Serienschauen ließ. Neben einer ganzen Reihe von neuen Serien habe ich mich seit der Ankündigung im letzten Jahr sehr auf “Gotham” gefreut. Und nachdem ich nun die ersten Folgen gesehen habe, kann ich nur sagen, dass ich nicht enttäuscht bin.
Als erstes drängte sich natürlich die Frage auf, warum noch niemand schon früher auf die Idee gekommen war, eine ‘Origin Story’ als Serie zu bekannten Comic-Helden zu machen. Sicher gab es speziell was Supermann angeht schon diverseste Versuche. Aber “Gotham” vermag es wirklich, die richtige Menge des wunderbar dunklen Charmes der Nolan-Verfilmungen in die Serie einfließen zu lassen, und trotzdem hin und wieder mit einem Augenzwinkern aufzuwarten.
Von Anfang an kann der Zuschauer erahnen, warum die Figuren, die man als Erwachsene auf beiden Seiten des Gesetzes kennt, so sind, wie sie sind. Der junge Bruce Wayne, der den Mord an seinen Eltern miterlebt, der Pinguin, in dem eine böse Seele schlummert, die aber noch zum Vorschein gebracht werden muss, Detective James Gordon, der als Neuankömmling versucht, die korrupte und marode Polizeitruppe auf einen besseren Weg zu bringen. Natürlich gibt es auch noch Alfred, den Riddler und natürlich Catwoman (oder vielmehr Catgirl).
“Gotham” wurde teuer produziert, was man der Serie natürlich ansieht, und die Besetzung ist sehr gut gelungen.
Man darf hoffen, dass es so gut weitergeht, wie es begonnen hat und dass mit den ikonischen Figuren weiterhin so gut umgegangen wird, wie es die ersten Folgen vermuten lassen.
Auf jeden Fall ist “Gotham” auch für nicht Comic Fans eine sehenswerte Serie. Und wenn jemand mit Batman, Catwoman und Co nichts anzufangen weiß, ist dies vielleicht die beste Möglichkeit, sich mit der Welt Gotham Citys vertraut zu machen.

Murder in the First

Vor kurzem ist auf TNT in den USA die 10-teilige erste Staffel der Crime-Serie “Murder in the First” gestartet, in der ein Ermittlerpaar in zwei verschiedenen Morden ermitteln muss, in die, wie sich schnell herausstellen soll, der Silicon Valley Milliardär Erich Blunt verwickelt ist.
Aufgrund der Länge von 10 mal 45 Minuten hat man sich bei der Handlung und der Entwicklung der Figuren sehr viel Zeit gelassen. Man erreicht dadurch einen nicht nur die Morde betreffenden tiefen Einblick in die Geschehnisse, sondern schafft es auch, die Figuren sehr gut auszuarbeiten.
Die beiden Detectives, die als ungleiches Paar private und berufliche Höhen und Tiefen durchschreiten, sind ebenso glaubhaft, wie der von einem der Harry Potter Veteranen Tom Felton verkörperte Mittzwanziger, der mit seiner IT Firma im Silicon Valley zum Milliardär wurde und als Hauptverdächtiger agiert.
Da es sich bei “Murder in the First” um eine Serie handelt, die von und für TNT gemacht wurde, kann man sich hier und da etwas mehr erlauben, als es auf den größeren Sendern möglich wäre (kein HBO oder Showtime, aber immerhin…).
Obwohl nicht, wie es derzeit üblich ist, mit einem A-List Hollywood Schauspieler aufgewartet wird, gibt es natürlich hier und dort bekannte Seriengesichter. Obwohl ich am Anfang noch etwas skeptisch war, hat sich die Chemie zwischen den Hauptfiguren zum Besseren entwickelt.
Für den klassischen Crime-Serienfan, der gern pro Episode einen Fall gelöst haben will, bedarf es sicherlich einiger Gewöhnung, einen Fall über 10 Episoden gestreckt zu sehen. Das Endergebnis ist allerdings das Warten wert.
“Murder in the First” ist eine wunderbar ruhig erzählte Krimiserie, die sich nicht scheut, verschiedene Genres in ihre Erzählstruktur mit aufzunehmen, ihre Figuren einfühlsam entwickelt und es gekonnt vermag, regelmäßig für Cliffhanger zu sorgen.
Unbedingt empfehlenswert.

24 – Live another Day

Nach einigen Jahren Pause ist, für viele überraschend, vor kurzem plötzlich Jack Bauer wieder auf der Mattscheibe aufgetaucht, und genauso wie die meisten Kritiker war auch ich sehr verhalten, was meine Vorfreude anging. In meinem Fall war “24” die Serie, die mich endgültig zum Serienfan gemacht hatte. Die ersten drei Staffeln wurden in Rekordzeit durchgeschaut, und das Wort ‘fernsehsüchtig’ bekam damals eine völlig neue Dimension. Leider hatte die geniale Erzählstruktur von 24 nach einigen Staffeln viel von ihrem anfänglichen Reiz eingebüßt. Nicht selten schien es, als hätten die Autoren zu große Probleme, das zu eng scheinende Korsett der ’24 Stunden Prämisse’ sinnvoll zu füllen. Nach dem Attentatsversuch auf den Präsidenten war es nur ein kurzer Weg zur explodierenden Atombombe in LA.
Nachdem aber nun ein paar Jahre verstrichen sind, meldet sich das alte Team zurück und bringt eine 12 Stunden Version von “24” ins Fernsehen/Internet.
Nachdem die ersten paar Folgen nun gezeigt wurden, kann man sagen, dass es wirklich wieder viel Spaß macht, “24” zu sehen. Nicht nur, weil man sich an damals erinnert, und das alte Gefühl, die Aufregung und Spannung zurückkommen. Man ist, genauso wie Jack und Chloe, auch 13 Jahre älter geworden und empfindet beim zuschauen dieses wohlige Gefühl, alte Bekannte wiederzusehen.
Diesmal spielt “24” in London und es soll der Präsident vor einem Angriff mit Millitärdrohnen geschützt werden, während er sich in England befindet, um den britischen PM von der Wichtigkeit militärischer Drohnen zu überzeugen.
Die Parallelen zu aktuellen Problemen sind natürlich offensichtlich. Warum sollten ferngesteuerte Drohnen nicht von Hackern übernommen werden? Wer tötet mit einer Drohne: ein Soldat am Joystick, tausende Kilometer entfernt?
Bis jetzt ist „24 – Live another Day“ spannend erzählt, man trifft viele Figuren von damals wieder und das 12 Stunden Gerüst scheint der Serie gut zu tun. Die Serie nach Europa zu verlagern, birgt sicherlich, speziell für den amerikanischen Markt, einige Risiken für die Produzenten, aber die Gleichung scheint aufzugehen. Nach der mehrjährigen Pause ist die neue Staffel von “24” anders genug, um neu zu wirken, aber nicht zu neu, um sinnvoll an das Bekannte anzuknüpfen. Der in London geborenen Kiefer Sutherland hat das Herzstück seines professionellen Lebens in seine Heimat geholt und, allem Anschein nach, die Figur des Jack Bauer erfolgreich in die heutige Zeit geholt.
Ab jetzt wird nicht nur Amerika gerettet, sondern die ganze Welt!