“Bad Teacher” – Die Neue Einfallslosigkeit

Während meiner einige Wochen dauernden Babypause habe ich natürlich nicht untätig rumgesessen, sondern hatte etwas Zeit, mich mit einigen neu gestarteten Mid-Season Serien zu beschäftigen, und auch wiederkehrende Serien zu genießen. Ein Phänomen, das mir dabei aufgefallen ist, ist die anscheinende Einfallslosigkeit, die die Serienschaffenden in den USA befallen haben muss. Das Tüpfelchen auf dem i war die unglaublich schlechte Pilotfolge von Bad Teacher. Dem weniger wählerischen Kinobesucher (wie ich es bin…) wird der Titel sicher noch etwas sagen (ein sehr mittelmäßiger Film mit Cameron Diaz). Warum allerdings Geld ausgegeben wird, einen durchschnittlichen Film in eine furchtbare Serie umzuwandeln, bleibt wohl für immer ein Geheimnis.
„Bad Teacher“ ist aber nur das aktuellste Beispiel eines anhaltenden Trends. Den Serienmachern scheinen die Ideen auszugehen. Vor kurzem lief die Serienversion von „About a Boy“ an, die trotz guter Besetzung auch sehr uninspiriert daherkommt. Diese beiden Serien stehen allerdings für ein größeres Problem, welches sich seit längerem schon im amerikanischen Serienmarkt breit macht: Die großen Sender (NBC, ABC, CBS, etc.) bekommen immer mehr Druck von kleineren Cable-Channels (FX, AMC, USA Network, etc.), die seit langem schon die qualitativ guten, erfolgreichen und „edgy“ Serien im Angebot haben. Man versucht anscheinend durch günstig produzierte und leider oft auch schlechte Comedy diesem Trend entgegen zu wirken.
Auch der Filmklassiker Fargo wurde als Miniserie vor kurzem aufgelegt. Allerdings nicht von einem der Großen, sondern von FX (kleiner Cable-Channel von FOX). Im Gegensatz zu den zuvor genannten Serien, hat man hier alles richtig gemacht: Martin Freeman (Hobbit, Sherlock) Billy Bob Thornton und weitere bekannte Seriendarsteller wurden verpflichtet, um an dieser Serie, deren Handlung keine Kopie des Films ist, mitzuwirken. Herausgekommen ist eine wirklich ansehnliche Serie, die qualitativ problemlos guten Independent Filmen Paroli bieten kann – düster, humorvoll, bestens besetzt und gut geschrieben!
Auch bei „Agents of S.H.I.E.L.D.“, dem Serienableger der Marvel- „Avengers“ Filme, hat man solide Arbeit geleistet. Dass die Helden der Filme nicht, oder nur kurz mal auftauchen würden, war von Anfang an klar. Aber trotzdem hat man sich genug Mühe gegeben, und konnte sogar wirkliche Comic-Nerds zufrieden stellen.
Nicht selten gab es Filme, bei denen ich mir gewünscht hätte, es wäre eine Serie gewesen. Das Serienformat hat bei guten Geschichten dem klassischen Film gegenüber ja auch viel mehr zu bieten: Figuren- und dramaturgische Entwicklung, Ausarbeitung verschiedener Erzählstränge und ganz einfach mehr Zeit.
Eine Serie kann einer Geschichte, die in einem Film zu kurz kommen würde, natürlich genügend Platz bieten. Umgekehrt möchte man sich gar nicht vorstellen, dass die großen Serien der letzten Jahre, wie die „Sopranos“, „Dexter“, „Mad Men“ oder gar „Game of Thrones“ in Filmlänge hätten erzählt werden müssen.
Dass ausgerechnet „About a Boy“ und „Bad Teacher“ den Sprung von der Leinwand auf die Mattscheibe schaffen mussten, andere Serienprojekte viel zu früh gecancelt oder nie verwirklicht wurden, kann man nur als äußerst bedauerlich bezeichnen.

True Detective

Nach den Ankündigungen zur der neuen Top-HBO Serie lag die Latte wahrlich hoch. Nachdem nun die ersten paar Folgen bereits liefen, kann man sagen, dass es nicht übertrieben war. Die Serie “True Detektive” in der Matthew McConaughey und Woody Harrelson ein ungleiches Ermittler-Paar spielen, das versucht, 1995 einen bizarren Mord an einer Prostituierten zu klären, überzeugt auf ganzer Linie.
Die beiden auch als Produzenten an der Serie beteiligten Schauspieler zeigen, was sie wirklich können. Hierbei liegt auch nicht das oft einengende 90-Minuten-Gerüst eines Spielfilms den Haupt- und Nebenfiguren stilistische Fesseln an. Ganz im Gegenteil: die Geschichte, die zwischen 1995 und 2012 immer wieder hin und her springt, kann sich in ihrer Erzählstruktur und den Figuren langsam entwickeln. Was speziell McConaughey dabei leistet, ist so beeindruckend, dass man es als Schande empfindet, dass für Serien kein Oscar vergeben wird.
Die Serie ist als anthologische Serie angelegt, was also soviel bedeutet, als das innerhalb einer Staffel je ein neuer Fall behandelt und auch abgeschlossen wird.
Die sehr unaufgeregte Erzählweise, das Spiel mit pseudo-religiösen Symbolen und die unübertroffene Südstaaten-Athmosphäre machen aus “True Detektive” einen instant classic. Unbedingt ansehen!

Helix

Der amerikanische Sender SyFy hatte viele Jahre ein Spartendasein gefristet und hauptsächlich die Bedürfnisse von Science Fiction- und Fantasy-Nerds befriedigt. Spätestens jedoch seitdem im Jahre 2004 die Serie “Battlestar Galactica” neu aufgelegt wurde, ist SyFy erwachsen geworden und gehört zu einer festen Größe unter den Kabelsendern in Nordamerika.
Vor kurzem lief dann auch endlich die lang erwartete Serie “Helix” an, in der es um ein Gruppe von Wissenschaftlern geht, die in den Tiefen der Arktis einen mysteriösen Virus untersucht.
Nachdem es zu mehreren Ausbrüchen einer völlig neuen Krankheit kam, wird eine Gruppe von Wissenschaftlern des CDC (Center of Disease Control) eingeflogen, um den Virus zu untersuchen. Sehr schnell wird klar, dass neben Interessen aus der Privatwirtschaft und dem Militär, allerlei weitere Geheimnisse versucht werden, verborgen zu halten.
Das Team von Wissenschaftlern wird von dem charismatischen Dr. Farragut geleitet, der eigentlich überqualifiziert ist für diesen Job, welcher anfangs noch fälschlicherweise als “Routine” eingestuft wird. Da aber sein Bruder einer der erkrankten Wissenschaftler in der Basis ist, erklärt er sich bereit, die Untersuchung zu übernehmen.
Was die Serie für den Zuschauer trotz etlicher vorhersagbarer Momente interessant macht, ist die Tatsache, dass die Dynamik, die sich zwischen panischen und hilflosen Wissenschaftlern, Kranken und einem geheimnisvoll agierenden Stationsleiter entsteht, auf einem so engen, von der Außenwelt abgeschiedenen Ort, für eine derart angespannte Atmosphäre sorgt, dass man jeden Moment mit dem Schlimmsten rechnen muss.
Die Serie ist auf 13 Episoden in der ersten Staffel angelegt, was genug Zeit bietet, jegliche Figuren und Erzählstränge detailliert auszuarbeiten.
Arktische Kälte, Schneestürme und Abgeschiedenheit von der Außenwelt werden wunderbar kontrastiert zu den hitzigen Debatten, den Kampf gegen mutierende Kranke und die davonlaufende Zeit im Inneren der Station dargestellt. Der wunderbar verquere Soundtrack sorgt dann auch noch für das Tüpfelchen auf dem i…
Wenn die Serie so weitergeht, wie sie begonnen hat, ist sie auf jeden Fall “wärmstens” zu empfehlen.

Endlich 2014

Die Weihnachts-/Neujahrspause hat lange genug gedauert und endlich geht es bei den Serien wieder zur Sache. Bis “Game of Thrones” und “The Walking Dead” wiederkehren dauert es noch ein bisschen, aber bis dahin kann man sich bestens die Zeit mit anderen Serien vertreiben. Als erstes ruhen natürlich alle Hoffnungen auf der neuen HBO Dramaserie “True Detective”, in der Matthew McConaughey und Woody Harrelson die Hauptrolle spielen. Die Trailer sehen vielversprechend aus! Josh Holloway (Sawyer aus Lost) kommt mit einer riesig-produzierten Crime/SciFi Serie zurück: in “Intelligence” spielt er einen Agenten, dem ein Chip ins Gehirn eingepflanzt wurde.
Die etwas verquere Anwaltsserie “Rake” mit Greg Kinnear macht einen vielversprechenden Eindruck und was aus all den groß angekündigten Sitcoms wird, bleibt abzuwarten.
Leider reicht der Platz hier nicht aus, um auf alles hinzuweisen, was es in diesem Jahr zu beachten gilt, aber neben den neuen Serien kann man sich getrost auch auf gute alte Bekannte (“Episodes”, “Justified”, “Hannibal”, etc.) freuen.

The Blacklist

In der in den USA auf NBC gestarteten Serie The Blacklist spielt James Spader den Superkriminellen Reddington, der sich dem FBI stellt, um mit dessen Hilfe sich einiger seiner ärgsten Feinde zu entledigen. Für das FBI ist dieses Angebot anfangs noch schwer zu akzeptieren, man erkennt aber schnell, dass beide Seiten von diesem Arrangement profitieren können. Einen Haken muss es natürlich geben: Reddington möchte nur mit dem FBI zusammenarbeiten, wenn er die den eigenen Kollegen noch völlig unbekannte Elisabeth Keen als direkten Kontakt hat.
In der Rolle des Raymond Reddington schafft es James Spader endlich mal wieder in einer Serienrolle zu brillieren. Die noch unerfahrene Agentin Elisabeth Keen wird solide von Megan Boone gespielt. Natürlich hat sie mit der eloquenten Souveränität eines James Spader alle Hände voll zu tun, was aber dem Verhältnis der beiden Serienfiguren äußerst dienlich ist.
Wer bei The Blacklist eine klassische Krimiserie erwartet, wird ebenso wenig enttäuscht, wie der Enthusiast eines gepflegten Verwirrspiels.
Erzählerisch folgt die Serie, zumindest in den ersten Folgen, nicht dem typischen Schema der meisten Serien, bei denen man meist nach wenigen Szenen weiß, wer der Mörder ist, oder welches schmutzige Spiel gespielt wird. Immer wieder werden an den richtigen Stellen Überraschungen bereit gehalten. Wenn man glaubt, Reddington durchschaut zu haben, wird man nicht selten eines Besseren belehrt.
In den letzten Jahren wurde die Latte guter Thriller durch die kleineren Cable-Channels in den USA ziemlich hochgelegt. Große Broadcaster mussten immer leichtere Kost liefern und konnten nur selten wirklich „edgy“ sein. The Blacklist ist sicherlich nicht die erste Serie eines großen Senders (man denke nur an Hannibal!) die es, wenn nötig, vermag erfrischen brutal zu sein, aber es ist auf jeden Fall schön zu sehen, dass manchmal auch die großen von den kleinen lernen. Wenn die Serie so gut bleibt, wie sie seit einer anfänglichen Findungsphase ist, darf man sich getrost auf die zukünftigen Episoden freuen.

Almost Human

Nachdem sich J.J. Abrams in den letzten Jahren auf dem Serien-Qualitäts-Spektrum zwischen sehr gut (Lost, Alias, Fringe) und ungewöhnlich schlecht (Undercovers) hin und her bewegt hat, kann man seit einigen Wochen seine neue Serie Almost Human sehen.
Die Serie spielt in der Zukunft, genauer gesagt im Jahr 2048, einer Zeit, in der Polizisten von Cyborgs unterstützt werden, um gemeinsam gegen immer übermächtiger und vielseitiger werdende Kriminelle zu kämpfen.
Was am Anfang noch sehr SciFi-mäßig klingt, funktioniert im Großen und Ganzen überraschend gut. Detective Kennex (Carl Urban aus Star Trek) wird bei seiner nicht immer den Regeln folgenden Verbrechensbekämpfung von einem eigentlich schon ausrangierten Cyborg (ein wie immer guter Michael Ealy) unterstützt.
Die Formel für diese Serie ist wahrlich nichts neues: Outsider-Cop bekommt einen nicht konformen Partner, mit dem er so ziemlich alle Regeln bricht, die man sich vorstellen kann, am Ende aber erfolgreich die Fälle zu Ende bringt. Eine klassische Buddy-Cop Konstellation mit einem bis hin zu den Nebenrollen sehr gut besetzten Cast.
Was aber speziell bei solch einem Format am wichtigsten ist, nämlich dass die Chemie zwischen den „Buddies“ stimmt, ist hier mehr als gegeben. Urban und Ealy bilden ein verqueres Paar, dass neben all der Action auch immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat.
Die gelungene Balance zwischen Action, Crime und Leichtigkeit macht aus Almost Human eine sehr kurzweilige Serie, die hin und wieder auch eine Überraschung bereithält.
J.J. muss sich nicht schämen und hat in seinem Produktionspartner J.H. Wyman einen durch seine Fringe-Erfahrung prädestinierten Partner für diese Serie gefunden. Es ist also nicht zu erwarten, dass unter J.J. Abrams Regieprojekten (Star Wars!!) diese Serie zu leiden haben wird.
Gut besetzte und geschriebene Cop-Serie, die viel Spaß macht, und trotzdem noch etwas Luft nach oben hat

Hostages

Nachdem nun einige Folgen der Serie Hostages zu sehen sind, kann man sich ein Bild dessen machen, was in dieser Serie schon erreicht wurde, welches Potenzial sie hat, und warum sie sicherlich scheitern wird.
Vorweg ist zu bemerken, dass Hostages eine von Jerry Bruckheimer produzierte Serie ist, in der Toni Collette eine Mutter und Präsidentenchirurgin neben einem wie immer guten Dylan McDermott als Geiselnehmer spielt.
Ohne zu viel von der Handlung preiszugeben, kann man wohl sagen, dass der Titel die Prämisse sehr gut zusammenfasst.
Dr. Sanders ist eine erfolgreiche Chirurgin, die den Lungentumor des Präsidenten operativ entfernen soll. Kurz vor der OP wird ihre Familie als Geiseln genommen, und sie wird gezwungen, den Präsidenten bei der Operation umzubringen. Sehr schnell wird es klar, dass es sich bei den Geiselnehmern nicht um böse Terroristen handelt, sondern vielmehr um eine Gruppe, die ebenfalls unter Druck gesetzt wurde. So entsteht, wie in zu vielen Serien mittlerweile, eine Situation, in der eine große, übermächtige und geheime Organisation die Fäden in der Hand hält.
Genau hier liegt das Problem von Hostages. In dem Moment, wo man mit allen, noch so skrupellosen Akteuren sympathisieren kann, wirkt die Serie zu weichgespült. Warum hat man aus Dylan McDermotts Söldnertrupp nicht ganz klar zu Bösewichte gemacht, die perfekt organisiert nur auf ihr Geld aus sind? Wahrscheinlich, weil es sich um eine Broadcast Serie handelt, und man nicht die gleichen Freiheiten hat, wie es z.B. bei Homeland in Staffel 1 auf Showtime noch der Fall war.
Mit ziemlicher Sicherheit wird es die Serie nicht über die erste Staffel hinausschaffen. Und sie sollte es auch nicht. Das Thema gibt genug Stoff her, um eine straff und spannend erzählte erste Staffel zu produzieren. Danach würde die eigentliche Serienidee wahrscheinlich hinfällig werden, oder man müsste, wie es bei anderen Serien permanent passiert, sehr weit von der Anfangsidee abkommen, was mir schon oft eine eigentlich unterhaltsame Serie vermiest hat (Revenge, Homeland, Scandal, etc.).
Man darf also hoffen, dass Hostages noch einmal die Kurve kriegt und nach einer guten Staffel zu Ende geht.

Devious Maids

Wer wie ich nie ein wirklich großer Fan der “Desperate Housewives” war, wird verständlicherweise der neuen Serie von Marc Cherry mit gewisser Skepsis begegnen. Wenn man obendrein noch erfährt, dass Eva Longoria als ausführende Produzentin an Bord ist, klickt man sofort weg. So hat es auch bei mir einige Wochen gedauert, bis ich begann, den “Verschlagenen Dienstmädchen” einen genaueren Blick zu schenken.
Nachdem ich nun up to date bin, muss ich sagen, dass es sich wider Erwarten gelohnt hat.
Im Kern ist “Devious Maids” eine klassische whodunit Geschichte: Ein Dienstmädchen wird auf einer Party in Beverly Hills ermordet und die Suche nach dem Mörder beginnt…
Eigentlich ist aber die Serie so interessant, weil sie auf ganz verschiedenen Ebenen, für ganz verschiedene Zuschauer funktioniert. Einerseits gibt es den Staffelübergreifenden Spannungsbogen des aufzuklärenden Mordes, anderseits gibt es unglaublich viele, wunderbar zynische Einblicke in das Verhältnis von Dienstmädchen zu ihren Arbeitgebern. Wer aber glaubt, dass die Serie sich auf dieses “Oberschicht gegen Arbeiterschicht” Thema beschränkt, könnte kaum weiter entfernt sein, von dem was die Serie eigentlich bietet. Die Dynamik unter den verschiedenen Dienstmädchen ist eine wahre Freude und der Facettenreichtum, mit dem die Dienstmädchen, die sonst gern in ein und die selbe Schublade gesteckt werden, ausgearbeitet sind, ist auf beeindruckende Weise gelungen. Mutter, Tochter, Liebhaberin, ambitionierte Karrierefrau, etc…
Aber auch die “Reichen und Schönen” in Beverly Hills werden als wirklich dreidimensionale Figuren dargestellt, die die ganze Bandbreite dessen abdecken, das man erwarten könnte: von skrupellos über naiv bis hin zum romantischen Träumer.
Immer wieder wird mit Klischees und den Erwartungen der Zuschauer gespielt, und nicht selten gibt es gelungenen Überraschungen.
Natürlich verfügt die Serie nicht über eine Komplexität wie es bei einigen hochklassigen Serien der Fall ist; das war aber auch nie die Absicht.
“Devious Maids” ist eine Serie, die in ihrer gleichzeitigen Oberflächlichkeit und Tiefgründigkeit nur von Amerikanern gemacht werden kann.
Sehenswerte Abwechslung mit vielen talentierten Kreativen – vor und hinter der Kamera – die genau wissen, was sie machen.

Orphan Black

Für diejenigen, die wie ich auf klassisch erzählte amerikanische Dramaserien konditioniert sind, ist “Orphan Black” eine wahrlich positive Überraschung.

Diese von Space (Kanada) und BBC America produzierte Serie wird zwar als Science Fiction beworben, ist aber abgesehen von der Klon-Idee eine klassische Dramaserie, die in der Jetztzeit spielt.

Sarah, die Hauptfigur der Serie wird von einer mir bis dato unbekannten Tatiana Maslany gespielt, die auf beeindruckende Weise in die Rollen der gleichen und doch grundlegend unterschiedlichen Klone schlüpft. Als passionierter Synchronisationsgegner bin ich zwar immer gegen den unverzeihbaren Sprach- und Soundmissbrauch durch Synchronisation, wie er seit Jahrzehnten an Serien und Filmen vollzogen wird, aber speziell hier muss man die Serie im Original sehen, da Tatiana es auf überzeugendste Art und Weise versteht, die unterschiedlichen Akzente der einzelnen Figuren rüberzubringen.

Abgesehen von den einzelnen Erzählungssträngen, die konsequent verfolgt werden, wirft die Serie natürlich neben moralischen Problemen auch die Frage auf “Was würde ich tun, wenn ich mit meinen Klonen konfrontiert würde?” Genau diese unglaublich große Palette an Reaktionen wird hier durch die Hauptfigur(en) in all ihren Facetten reflektiert.

Das Tatiana Maslany nicht für einen Emmy nominiert wurde, ist eine absolute Schande, denn auch wenn die Serie hier und da die typisch amerikanische Geschmeidigkeit großer Dramaserien vermissen lässt, kann ich mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so von er Präsenz einer Darstellerin in einer Serie beeindruckt war. In der 6. Staffel meiner Lieblingscomedy “Parks and Recreation” wird Tatiana als Gast zu sehen sein, worauf man sich sicher ganz objektiv freuen sollte…

Orphan Black –  Eine gelungene Abwechslung für alle, die sich nicht von den minimalen Fantasy-, bzw. Sci.Fi. Aspekten dieser Serie abschrecken lassen…

Orange is the New Black

In der wunderbaren Serie “Orange is the new Black” begleiten wir die juppige Mitt-30erin Piper dabei, wie sie aus ihrem perfekten Leben herausgerissen wird und eine 15-monatige Haftstrafe absitzen muss.

Was im ersten Moment nicht sonderlich spektakulär klingt, erweist sich aber als eine beeindruckend gut geschriebene Serie, die in ihren 13 Episoden der ersten Staffel eine in mehrerlei Hinsicht interessante Transformation beschreibt.

Einerseits ist die Veränderung der Hauptfigur bestens beschrieben – von der jungen Frau, die ihre abenteuerliche Vergangenheit lange hinter sich gelassen hat, von dieser jedoch überraschend eingeholt und für die sie auch bestraft wird. Kurz vor ihrer Hochzeit und der Firmengründung mit ihrer besten Freundin wird sie aus ihrem Leben gerissen und muss sich in unerwarteten und absolut anderen Umständen zurecht finden – ein klassisches “fish out of water” Motiv…

Andererseits macht die Serie ein dramaturgische Veränderung durch – von einer anfangs noch eher Comedy-lastigen Serie bis hin zu einem wirklich dramatischen Ende/Cliffhanger. Episode für Episode wird es ernsthafter und, nicht nur für die Hauptfigur, immer dramatischer.

Was mich aber besonders beeindruckt, bzw. überzeugt hat, sind die Nebenfiguren in der Serie. Es mag daran liegen, dass die Autorin des Buches, auf dem die Serie basiert, wirklich im Gefängnis war und eigene Knast-Bekanntschaften ins Buch hat einfließen lassen, oder einfach nur an begnadeten Drehbuchschreibern. Keine der Figuren wirkt gezwungen, oder eindimensional. Von den Wärtern bis zu den Insassen sind alle Charaktere interessant ausgearbeitet und dank der exzellenten Schauspieler durchweg glaubwürdig. Man hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet! Die Rückblenden in die Vorgeschichten der Nebenfiguren sind kurz und schaffen es trotzdem ein klares Bild jeder dieser Frauen zu kreieren. Hier hat die Serie anderen Serien wie z.B. “lost” einiges voraus… Trotz alledem hat man nicht den Fehler gemacht, sich nur auf die guten Nebenfiguren zu verlassen und dabei die Hauptfigur zu vernachlässigen, wie es bei “HIMYM” geschehen ist. Jenji Kohan (“weeds”) hat hier eine perfekte Balance unter den Figuren geschaffen…

Man darf sich getrost auf die zweite Staffel freuen. Ich hoffe, dass die Figuren, die in der ersten Staffel noch zu kurz gekommen sind, ein bisschen mehr Beachtung finden und wir ein bisschen mehr über ihr Leben vor dem Gefängnis erfahren (speziell meine Lieblingsfigur “Crazy Eyes”!).

Sehr sehenswert!